Artikel zum Thema Familienpolitik Gutachten prüfen Machen Gutachten Sinn ?

Das Märchen von der Erziehungsunfähigkeit ist allgegenwärtig am Familiengericht und bei Gutachtern

 

Erziehungsfähigkeit ist in der Erziehungswissenschaft oder der Psychologie nicht bekannt. Trotzdem wird sie am Familiengericht immer wieder bemüht, wenn es darum geht den Eltern oder einem Elternteil das Kind zu entziehen.

Dazu bedient man sich gerne eines Gutachters. Dieser weis oft nicht, dass es den Begriff der Erziehungsunfähigkeit gar nicht gibt. Ihm ist allerdings meist bekannt, dass  ein Gutachten mit mehreren Tausend Euros gut bezahlt ist. Wer mag es ihm verdenken, dass er dem Rufe des Gerichtes folgt und sich enthusiastisch in die Suche nach der Erziehungsunfähigkeit stürzt. Möchte er doch den Richter oftmals nicht enttäuschen. Bei erfolgreicher Suche könnten ihm weitere Aufträge sicher sein, so denkt sich evtl. mancher Gutachter im stillen.

Es ist schon erstaunlich was ein Gutachter anrichten kann, oder sagen wir besser ,,darf,, wenn er erst mal losgelassen wurde, auf der Suche nach derm

heiligen Gral, der „Erziehungsfähigkeit“

Da werden Eltern als Erziehungsunfähig abgestempelt weil sie ihr Leben nicht nach den Wünschen von Gutachtern, Verfahrensbeiständen und Jugendamt gestalten.

Zu wenig Musikunterricht? Eis zum Frühstück? Schwups, sind die Eltern erziehungsunfähig. Das ein Eis auch zum Frühstück schmeckt und nicht jedes Kind dem Klavier etwas gutes abgewinnen kann, ist dabei nebensächlich.

Dieser „Run“ auf die Erziehungsunfähigkeit der Eltern treibt dabei immer buntere Blüten.

Nasenpopeln kann schon der Grund sein, dass ein Verfahrensbeistand eine Kindeswohlgefährdung sieht und den Entzug des Sorgerrechs für die Mutter empfiehlt, wie erst kürzlich in einem Familinegerichtsprozess geschehen. Der Gutachter griff diesen Hinweis freudig auf, um ihn in seinem Gutachten zu verwursten.

Das es sich bei all den vorgetragenen Vergehen der Eltern meistens um Erziehungsstile handelt, die jedem Elternteil laut Gesetz in der Gestaltung freistehen, interessiert viele Gutachter oft nicht.

Wer sich von den Eltern dem Mainstream am Familiengericht nicht anpasst, gilt schnell als aufmüpfig, unbelehrbar und vor allen Dingen „Erziehungsunfähig“

Die ominöse „Erziehungsfähigkeit“ als Totschlagargument ist am Familiengericht kaum noch wegzudenken. Wer mag schon einem Gutachter widersprechen, der eine Erziehungsunfähigkeit der Eltern feststellt. Etwas das bisher noch niemand geschafft hat, da es sie gar nicht gibt.

Endlich sind die Zeiten vorbei in denen ein Richter sich noch selbst bemühen muss, herauszufinden wer denn nun vom Elternteil besser für sein Kind sorgt.

Wo bekommt das Kind zu essen, Pflege, Bildung, Liebe, Schmuseeinheiten? Bei der Mutter, oder beim Vater? etwas bei Beiden? oh, mein Gott… eine Lösung muss her. Einer von den Beiden muss schlechter sein. Da kommt einem die sagenhafte „Erziehungsunfähigkeit“ doch gerade recht.

Wenn ich daran denke, wieviele Eltern mit ihren Kindern einfach so leben, wie es ihnen Spaß macht, wird mir Angst und Bange. Wissen diese Eltern nicht, dass die mit einem Fuße im Gefängnis stehen wegen Kindeswohlgefährdung? Sollte man ihnen nicht dringend raten sich bei einem Gutachter zu erkundigen wie sie sich als „erziehungsfähige“ Eltern in der Öffentlichkeit präsentieren? Da werden Socken auf halb acht gelassen. Kinder dürfen in Pfützen springen. Der Sportverein wird geschwänzt um gemeinsam ins Freibad zu gehen.

Vielleicht reagiere ich auch über. Schließlich werden Eltern ja erst mit Eintritt in einen Familiengerichtsprozess zu Monstern, die noch nie das Wohl ihrer Kinder im Blick hatten. So jedenfalls wird es häufig von Gutachtern, Verfahrensbeiständen und dem Jugendamt gesehen. „Ihr seid uns durch die Maschen des Mainstreams geschlüpft. Durch die politischen Fallen der Familienpolitik. Aber jetzt haben wir euch endlich, denn ihr seid am Familiengericht gelandet.

Nun seid ihr keine Eltern mehr, die ihre Kinder pflegen, schützen, lieben. Nun seid ihr Freiwild. Und vor allen Dingen seid ihr „Erziehungsunfähig“

Autorin:

Andrea Hinkel

Literatur:

Erziehungsfähigkeit gibt es nicht

Es gibt Erziehungsstile, Erziehungsziele, Erziehungsmethoden, aber es gibt keine

Erziehungsfähigkeit. Wenn man Fachbücher oder Artikel über Erziehung liest, so stellt man fest,

dass der Begriff Erziehung das „vermitteln von Werten“ beschreibt. Es geht also, wenn man von

Erziehung redet, um Vermittlung von Werten, die man seinen Kindern mit auf den Weg gibt.

Welche Werte die Eltern in welcher Form ihren Kindern vermitteln stellt ihnen der Gesetzgeber frei.

Ausgenommen sind Körperverletzung, Vernachlässigung und seelische Gewalt gegen Kinder.

Es liegt also allein in der Verantwortung der Eltern, wie sie ihre Kinder erziehen.

Der Staat darf nicht so tief in die familiären Strukturen eingreifen, wenn es um Wertevermittlung

geht.

Quelle: Andrea Hinkel, 2015, Hilfe zur Selbsthilfe, Familiengerichtliche Gutachten unter der Lupe, S.48

Zitat:

(…)

“Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 02.04.2009, 1 BvR 683/09

nochmals klargestellt, dass nicht Eltern für Ihre Erziehungsfähigkeit beweispflichtig sind (welche

ohnehin mit seriösen wissenschaftlichen Methoden nicht festzustellen ist), sondern dass

Jugendämter in der Beweispflicht stehen, wenn sie glauben, dass die elterliche Erziehung das

Kindeswohl gefährdet.“

Quelle: Rechtsanwalt Heino Beier, Zwangsbegutachtung der Kindeseltern in Familiensachen: Rechtlich erlaubt?, Abs.

51, < http://www.kanzleibeier.de/pinnwand_zwangsbegutachtung.php > (aufgerufen am 28.08.2015)

Zitat:

(…)

„ Die Fähigkeit von Eltern, ihr eigenes Kind zu erziehen, läßt sich im positiven Sinne, als ob und

wieweit sie vorhanden ist, nicht feststellen.

Denn Erziehung ist keine Tätigkeit wie ein Beruf, bei dem die Frage, ob einer dafür geeignet sei, an

Hand der Verfügung über die zu diesem Beruf gehörenden Tätigkeitsmerkmale beantworten kann.

Die Erziehung wird getragen von vielen, von außen nicht erfaßbaren Faktoren, wie das Gefühl der

Zusammengehörigkeit, die Schicksalsgemeinschaft in der Familie und nicht zuletzt die

gemeinsame Biographie, solange die Erziehung währt.

Also alles Fakten, die sich weder zählen noch messen lassen.

Und darum ist hier das Modell der Berufseignungsuntersuchung fehl am Platze.

Quelle: Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Klenner, 23.07.2008 , per E-mail an Franz Romer,

<http://kindesraub.de/cms/index.php/news/familienfall-gorber-ueberlingen-atomisierung-einer-grossfamiliegerichtsverhandlung-

am-297-im-amtsgericht-ueberlingen>(aufgerufen am 16.09.2015)

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