Gutachten prüfen

Darf der Gutachter mich nur nach Aktenlage begutachten, ohne mich zu kennen ?

Es kommt immer wieder vor, das Gutachter im Familiengerichtsprozess ein Gutachten über die Eltern oder einen Elternteil oder über die Kinder erstellen, ohne diese persönlich zu kennen oder ohne, dass die Eltern dem Gutachter eine schriftliche Einwilligung zu einer Begutachtung ihrer Person gegeben haben. Sollte ein Gutachter trotzdem über die Eltern, nach Aktenlage, ein Gutachten erstellen, handelt es sich um ein Ferngutachten.

Ferngutachten sind unzulässig.

Befragt der Gutachter zudem fremde Personen aus dem Umfeld von Eltern und Kindern, handelt es sich um eine Hypothesengenerierung. Diese  ist unverwertbar, weil die Informationen zur Gutachtenerstellung aus „Hören und Sagen“ bestehen.

So hat der BGH hat mit Beschluss vom 20. August 2014 unter AZ XII ZB 179/14  im Rahmen einer angeordneten Betreuung entschieden, dass der Sachverständige den Betroffenen vor der Erstellung des Gutachtens persönlich zu untersuchen hat; eine Begutachtung nach Aktenlage ist grundsätzlich nicht zulässig.

OLG Köln, Urteil vom 27.03.2012 – 4 U 11/11

Ein Gutachten in Kindschaftssachen hat sich grundsätzlich auf den Akteninhalt, Gespräche mit den Beteiligten, Verhaltensbeobachtungen und – soweit erforderlich – auf testpsychologische Untersuchungen zu stützen (vgl. nur OLG Saarbrücken, BeckRS 2011, BECKRS Jahr 24807, bespr. von Rixe, FamFR 2011, FAMFR Jahr 549; zu den Mindeststandards s. auch die Empfehlungen des AK 19 des 17. DFGT 2007, Brühler Schriften, Band 15, S. 165).

(Dies ist keine Rechtsberatung. Fragen sie ihren Anwalt falls sie vorhaben diese Informationen für Ihren Fall zu benutzen)

 

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