Artikel zum Thema Familienpolitik Gesetze zum Thema Umgang mit dem Kind Häufige Fehler von Jugendamt-Mitarbeitern Probleme am Familiengericht

Das Jugendamt will dir dein Kind nehmen? Gab es evtl. Fehler von Jugendamt-Mitarbeitern und Richtern bei der „Begründungstiefe“ ?

Stichwort: fehlende Begründungstiefe

Auffällig oft bemängeln Eltern die Arbeitsweise des Jugendamtes wenn es darum geht, dass ihr Kind in Obhut genommen werden soll. Ein häufiger Vorwurf der Eltern ist, dass der Jugendamt-Mitarbeiter dem Gericht vorträgt, die Kinder würden in Zukunft geschädigt werden wenn sie bei ihren leiblichen Eltern wohnen blieben. Eine Inobhutnahme sei deshalb unumgänglich.
Diesen Vorwürfen stehen die meisten Eltern machtlos gegenüber wenn manche Jugendamt-Mitarbeiter dem Gericht unsubstantierte Behauptungen über die Eltern vorlegen. Leider urteilen manche Richter über die Eltern, ohne die Behauptungen dieser Jugendamt-Mitarbeiter auf ihre Begründungstiefe hin zu überprüfen.
Es werden von Jugendamt-Mitarbeitern oft oberflächliche Begründungen angeführt, die keiner wissenschaftlichen Prüfung standhalten würden.
Aussagen der Jugendamt-Mirarbeiter und auch Richter, wie z.B. „es ist bekannt dass“ oder „aus Erfahrung weis man“ und weitere oberflächlichen, nicht näher ausgeführten Floskeln sind nicht ausreichend als Begründung, um eine nachhaltige Gefährdung des Kindes zu beweisen.

Es fehlt die Begründungstiefe.
Bereits das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Beschluss vom 28.02.2012 klargestellt, dass bei fehlender Begründungstiefe die Grundrechte von Eltern verletzt werden„Entscheidung

„Die angegriffenen Entscheidungen verletzen die Mutter in ihrem Grundrecht aus Art. 6 II 1 GG. Bei gerichtlichen Eingriffen in das elterliche Sorgerecht besteht für das BVerfG Anlass, über den grundsätzlich eingeschränkten Prüfungsumfang hinauszugehen. Danach haben hier weder das AG – FamG – noch das OLG der gem. Art. 6 II 1 GG gebotenen besonders sorgfältigen Darlegung der Erfordernisse des Kindeswohls einerseits und der Notwendigkeit der ergriffenen Maßnahme andererseits genügt. Dazu hätten insbesondere folgende Ausführungen gehört: In welcher Art und welchem Ausmaß sind seelische Schäden durch das Verbleiben der Kinder bei der Mutter zu befürchten? Worin bestehen die negativen Folgen für das weitere Leben der Kinder und worin deren fast vorhersagbare Persönlichkeitsdefizite? Sind die vom Gericht für wahrscheinlich gehaltenen Entwicklungen von solcher Art und Güte, dass sie den schweren Eingriff in das Elternrecht der Mutter rechtfertigen können? Das Ausmaß der bei den Kindern eventuell eintretenden Schäden wäre näher festzustellen. Das Gericht muss die tatsächlichen Ausführungen und Wertungen des Sachverständigen einer spezifisch rechtlichen Bewertung unterziehen. Das Gericht muss sich mit den für das Kindeswohl nachteiligen Folgen der Maßnahmen befassen. „
BVerfG (2. Kammer des Ersten Senats), Beschluss vom 28.02.2012 – 1 BvR 3116/11 = BeckRS 2012, 48175 Richter am KG Professor Dr. Rüdiger Ernst, Berlin

Wehret den Anfängen
Eltern sollten m. e. die Begründung der Jugendamt-Mitarbeiter sofort auf die Begründungstiefe hin überprüfen und dem Richter einen entsprechenden Hinweis dazu geben bevor dieser einen Beschluss fällt.
Wo ist der belegte Nachweis des Jugendamt- Mitarbeiters über:

Art und Ausmaß kommender seelischer Schäden durch das Verbleiben der Kinder bei den Eltern ?
Worin bestehen die negativen Folgen für das weitere Leben der Kinder und worin deren fast vorhersagbare Persönlichkeitsdefizite ?
Belege, Studien etc.

Auch bereits erfolgte Beschlüsse können Eltern auf fehlende Begründugstiefe hin, überprüfen.
Es dürfte einem Jugendamt-Mitarbeiter schwer fallen in die Glaskugel zu schauen, wenn er nicht zufällig ein Psychotherapeut für Kinder-und Jugendliche ist und sich zudem in allen Diziplinen der Entwicklungsforschung, Psychologie, Psychotherapie, Soziologie, Bindungsforschung, Erziehungswissenschaften auskennt und auf dem neuesten Stand aller Studien zu diesen Themen ist.
Denn nur dann könnte er mit diesem Wissen evtl. eine mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Aussage zu möglichen Schäden für das Kind in der Zukunft stellen.
So sind die meisten Aussagen der Jugendamt-Mitarbeiter m. e. reine Spekulation, die keine Grundlage für eine sachgerechte Ermittung des Richter sein können.

Hinweis:
Auch in erstellten Gutachten über die Eltern, fehlt oft diese Begründungstiefe. Laut Studie der Fernuni Hagen sind ca. 80% der erstellten Gutachten am Familiengericht mangelhaft. Weitere Studien z.B. aus Berlin, kommen ebenfalls zu erschreckenden Ergebnissen.
Auch Gutachten sollte man deswegen u.a. auch auf die fehlende Begründungstiefe hin, überprüfen und ggf. bemängeln.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*